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Die letzte Scharfrichtergeneration in unserem Dorfe hieß Keller. Neben der seltener werdenden Ausübung von Hinrichtungen waren sie vor allem beschäftigt als Abdecker und Wasenmeister, d. h. sie mussten die verendeten Tierkörper mit einem Wagen, dem Schinderkarren, abholen, die Kadaver enthäuten und vergraben. Das Fett der Tierleichen wurde zum Seifesieden gebraucht, die Borsten hat man zur Herstellung von Bürsten und Pinseln abgeschnitten, und aus den Hörnern und Knochen wurden Knöpfe gesägt. Gefallene Tiere gab es vor allem, wenn die Maul und Klauenseuche grassierte oder Pferde an Wundstarrkrampf verendeten. Alle diese Kadaver wurden auf dem Wasen oder Schindanger vergraben. Er lag unter dem jetzigen Bahnkörper und östlich davon neben dem Haus des Henkers. Dabei kam es schon einmal vor, dass hungrige Füchse oder streunende Hunde halbverweste Organe ausgruben und verschleppten. Es war deshalb nicht weiter verwunderlich, als ein erschreckter Ettringer Bauer neben dem Maul seines friedlich grasenden Ochsen ein Stück rosaroter Lunge liegen sah. Da der Ochse anscheinend auch noch stark hustete, meinte der gute Mann, sein treues Zugtier hätte die Lunge herausgehustet. Beim Bier wird er spätestens am nächsten Sonntag das Ereignis berichtet haben, worauf die Ettringer ihren Spitznamen erhielten und fortan von ihren Nachbarn ironisch die "Lungenhuster" genannt wurden. Quelle: "Drei schwäbische Dörfer erzählen" , Dr. Martin Kleint |